Jesus, ein Gestalttherapeut ?! Spurensuche im Neuen Testament

Jesus sieht die Not der Menschen und lässt sich anrühren.

Mt. 9,36: „ Als Jesus aber die Volksmenge sah, fühlte er Erbarmen mit ihnen; denn sie waren abgequält und erschöpft wie Schafe, die keinen Hirten haben“

Begegnungen mit ihm werden als gnadenhaftes Geschehen beschrieben. Sie widerfahren. Die Begegnungen kann man nicht machen. (1. Nichtmachbarkeit)

Berufung des Levi nach Mk. 2.15: „ Und es begab sich, dass er in dessen Hause zu Tische saß und viele Zöllner und Sünder aßen mit Jesus und seinen Jüngern zu Tische..“.  Da sagte Jesus:
Mk. V.17: „Nicht die Starken bedürfen des Arztes, sondern die Kranken“.

Joh. 20: (Maria Magdalena) : “Und sie sah Jesus stehen und wusste nicht, dass es Jesus war. Jesus sagte zu ihr: `Weib was weinst du? Wen suchst du?` “.

Jesus veröffentlicht oft einen Teil seiner Resonanz auf den Menschen und geht damit in Kontakt. Er begegnet unmittelbar.(2. Unmittelbarkeit)

Er nimmt sich selbst und den anderen wahr. Er spricht von sich, wie er sich selbst sieht und spricht von dem, wie er die Menschen ihm gegenüber sieht . Darüber kommt er  mit seinem Gegenüber ins Gespräch. Selbst- und Fremdwahrnehmung werden laufend überprüft.

Mt. 9, 14-17 : „Da kommen die Jünger des Johannes zu ihm und sagen: Warum fasten wir und die Pharisäer, deine Jünger aber fasten nicht? Und Jesus sprach zu ihnen: Können etwa die Hochzeitsleute trauern, solange der Bräutigam bei ihnen ist. Doch es werden Tage kommen, wo der Bräutigam, von ihnen genommen wein wird, und dann werden sie fasten“

Jesus  gebraucht Menschen nicht als Mittel zum Zweck. Der Zweck seiner Hinwendung ist die Begegnung, der gemeinsamer Prozess.  Die Begegnung mit ihm macht lebendig  und führt in die Wahrheit .

Joh. 14, 6:  Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.

Mit selektiver Authentizität lässt Jesus im Kontakt sein Gegenüber immer wieder etwas von dem, was ihn bewegt, wissen.

Lk. 2 ,49: „Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich sein muss in dem, was meines Vater ist?“

Joh. 2, 4: „  Weib , was habe ich mit dir zu schaffen. Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“

Jesus ist im Ich – Du – Moment selbst auch berührt. ( 3. Gegenseitigkeit). Nicht was war, oder was sein wird, sondern der Augenblick ist wichtig. Das Anwesend – Sein  im Hier und Jetzt steht für Jesus im Vordergrund ( 4. Gleichzeitigkeit und 5. Gegenwärtigkeit).

Mk. 1, 15: „Die Zeit ist erfüllt und  das Reich Gottes ist nahe herangekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium“

Die Not, die Jesus bei anderen sieht ist auch der Panzer in dem sie stecken, der Panzer, der vor unmittelbaren Begegnungen schützt. Jesus geht in den Kontakt und  mutet sich zu, aber drängt sich nicht auf. Jesus  lässt ab, wenn er nicht angenommen wird. Vor ihm braucht und kann sich keiner verstellen oder verstecken. Er selbst ist wahrhaftig und er liebt die Wahrheit.( 6. Rückhaltlosigkeit): Was relevant ist, teilt Jesu mit, offen und rückhaltlos. Er riskiert sich.

Mt. 23, 27: „ Ihr seid gleichwie die übertünchten Gräber…“

So reizt und lockt Jesus zur unmittelbaren Begegnung. Er weiß lebendige Gegenseitigkeit herzustellen, die  den „echten Dialog“ ausmacht. Wenn Jesus in Kontakt ist, dann ist für ihn in der Regel vorübergehen neben dem aktuellen Austausch nichts anderes wichtig. ( 7. Ausschließlichkeit ). Die Partner der Beziehung sind  wunderbar erfüllt davon, was zwischen ihnen geschieht.

Lk. 24,32: „Brannte nicht unser Herz in uns, wie er auf dem Wege mit uns redete, wie er uns die Schriften erschloss?“

Dadurch, dass Jesus jeden Mensch bejaht, gibt er  Würde und Ansehen. Dabei sieht Jesus sowohl den momentanen Stand der Entwicklung,  zugleich aber auch das noch nicht realisierte Potential.

Mk. 10 21 ff: „Als Jesus das hörte, sprach er zu ihm: eins mangelt dir noch: Verkaufe alles, was du hast und gib es an die Armen und du  wirst einen Schatz im Himmel haben.“

Menschen wachsen in seiner Nähe. Begegnungen mit Jesus sind mit dem Wagnis verbunden, dass man sich selbst spürt und entdeckt.

Joh. 4, 17 f.: „Die Frau antwortete: Ich habe keinen Mann. Jesus sagt zu ihr: Mit Recht hast du gesagt, ich habe keinen Mann , denn fünf Männer hast du gehabt und der, den du jetzt hast ist nicht dein Mann. Da hast du die Wahrheit gesagt.“

Menschen kommen sich selbt auf  die Schliche und erkennten immer besser, wie es um sie steht.

Mt. 26 75: „Da erinnerte sich Petrus des Wortes Jesu, der gesagt hatte: Ehe der Hahn kräht wirst du mich dreimal verleugnen. Und er ging hinaus und weinte bitterlich.“

Der volle Kontakt mit Jesus berührt die Seele, weckt Sehnsucht und das Bedürfnis  angenommen und  geliebt  zu werden.

Joh. 4, 15: „Die Frau sagte zu ihm: Herr gib mir dieses Wasser, damit ich nicht dürste und nicht hierher kommen muss, um zu schöpfen.“

Der volle Kontakt mit Jesus macht zart und lebendig.

Mt. 16 6 f: „Als aber Jesus in Bethanien im Hause Simons des Aussätzigen war, trat eine Frau zu ihm mit einer Alabasterflasche voll kostbarer Salbe und goss sie ihm über das Haupt, während er bei Tische saß…. V.12:… dass sie diese Salbe auf meinen Leib goss, das hat sie getan für mein Begräbnis

Menschen in d er Nähe Jesu kommen in einen Prozess hinein, von dem sie im vornhinein wissen, wohin er sie führen wird. Die Prozesse bleiben ergebnisoffen. Jesus führt auch nicht in der Weise, dass er genau sagt was zu tun ist. Er legt vielmehr eine Spur, die weiterzuverfolgen zur eigene Sache werden kann. Wer wachsen will, hat sich selber auf den Weg zu machen. Jesus spielt mit Polaritäten ( reich und arm – tot und lebendig  – voll Sorge und ohne Sorge) und bietet den mittleren Modus als Haltung an. Was Jesus in den Vordergrund bringt, ist auch sehr oft nicht er selbst, sondern vielmehr seine Verbundenheit mit dem, der  größer ist als er selbst.

Joh. 14: „Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Und jetzt schon kennt ihr ihn und habt ihn gesehen.. Wahrlich ich sage euch: Wer an mich glaubt, der wird die Werke, die ich tue auch tun und wird größere als diese tun…..“

Jesus ermutigt und inspirirt zum einen Tun. Er lädt zu immer neuen Experimenten ein.t Jesus selbsttritt  immer wieder in den Hintergrund.

Jesus wechselt auch beständig zwischen Aktualität und Latenz. Er tritt in Beziehung und tritt wieder heraus. Er engagiert sich und reflektiert wieder. Er sucht Auszeiten, zieht sich zurück und tritt dann mit neuern Intensität in Kontakt.

Joh. 8, 6 b – 8: „ Da bückte sich Jesus nieder und schrieb mit dem Finger auf die Erde. Als sie ihn aber beharrlich weiterfragten, richtete er sich auf und sprach zu ihnen: Wer unter euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein auf sie. Und er bückte sich wiederum nieder und schrieb auf die Erde“.

Er begegnet anderen an der Grenze. Nie verhält er sich konfluent. Bei aller Vertrautheit bleibt er anderen ein Stück  ein Rätsel/bzw. Geheimnis.

Mk. 9,32:  „Sie aber verstanden das Wort nicht“.

Jesus möchte, dass die Menschen dem großen Strom der Liebe trauen und ins Fließen kommen,  Emotionen dürfen fließen, Beziehungen kommen in Fluss. Ganze Systeme stößt Jesus an, so dass sie in  Bewegung kommen. So bleibt Jesus dem Leben treu, das sich entwickelt  und immer mehr weiten will.

Joh.  11, 47: „ Da beriefen die Hohenpriester und die Pharisäer eine Versammlung des Hohen Rates ein und sagten;: Was tun wir, denn dieser Mensch tut viele Zeichen? Lassen wir ihn gewähren, so werden alle an ihn glauben“

Menschen die lebensbedrohlich erkrankt sind, die um ihr Leben oder um das Leben anderer kämpfen kommen zu Jesus.  So werden  Jünger  wiederholt mit der Endlichkeit des Lebens konfrontiert. Jesus lockt, sich für das Leben im Hier und Heute zu entscheiden:

Mt. 8,22: „Lasset die Toten die Toten begraben“

Die Leidensgeschichte Jesu  führt die Jünger in eine Krise. Sein Tod erschüttert sie existentiell. Und gerade darin und dadurch ruft Jesus sie zur Übernahme von Verantwortung und dass sie dem Potential, das in ihnen liegt trauen.

Jesus bindet in eine heilende Gemeinschaft ein, in der jeder seine Individualität behält. In dieser Gemeinschaft schaut  einer auf den anderen. Sie  weinen miteinander und freuen sich miteinander: Gestaltleben also. Von der ersten Jüngergemeinde wird gesagt, sie hatten alles gemeinsam, sie blieben beieinander im Brot brechen, in der Gemeinschaft und im Gebet. Die Jünger und Jüngerinnen sind Weggefährten und wissen sich miteinander unterwegs.

Es gibt aber dann auch ganz konkrete Aufgaben. Die Nachfolge Jesu führt ins Handeln.

Mt. 28, 19 f: „Darum gehet hin und machet alle Völker zu Jüngern und taufet sie………..und siehe , ich bin bei euch alle Tage bis an der Wellt Ende“.

Jesus bringt keine neue Lehre, sondern lädt ein zu immer neuer Begegnung mit ihm, dem Auferstandenen und zu einem Prozess immer mehr der Mensch zu werden, der man ist.